Das Karnaper Team

Wir waren sieben Männer zwischen 25 und 30 und wir wußten alle nicht so recht, was das Leben mit uns wollte. Unsere Heimat war dieser kleine Vorort der Industriestadt, wo fast jeder jeden kannte und die größten Abenteuer am Wochenende in der Dorfkneipe stattfanden. Es war dieser Highlander Film, der uns die Idee in den Kopf setzte.

Monate vorher hatten wir begonnen, die Tour zu planen, Material gekauft und es bei gemeinsamen Wanderungen in der Eifel ausprobiert.

Wir dachten, diese Tour schweißt uns für immer zusammen. Noch Monate danach sahen wir uns oft die Bilder an, redeten von diesem oder jenen Erlebnis, der Tour durchs Nevis, dem Aufstieg aufs Devils Staircase bei GlenCoe oder der berühmt gewordenen Mülltütenschlacht. Keiner von uns konnte ahnen, wie später alles weiterging.

Für mich begann eine Zeit des Lernens und harter Arbeit. Ich konnte mit Computern etwas erreichen und begann auch mit dem Ausbau meiner Dachwohnung. Matthes und Lulu kriegten sich in die Haare, Ekki zog sich zurück. Im nächsten Jahr gab es die Clique nicht mehr.

Jahre vergingen. Drei Mann wurden sehr krank. Wie Gespenster tauchen sie ab und zu noch einmal auf, aber für mehr als einen kurzen Gruss reicht es nicht mehr. Ein anderer von uns war lange Zeit unfreiwillig fort. Er wohnt jetzt irgendwo in der Nähe der Stadmitte. Noch ein weiterer ist tot, gestorben auf eine unglaubliche Weise.

Und dann sind da Matthes und ich. Er arbeitet noch immer im Steuerstand auf der Zeche. Wir sehen uns ab und zu mal in der Dorfkneipe oder am Kanal. Seine Haare sind grau geworden. Unter meinen Augen bilden sich langsam die ersten Falten.

Die Geschichte, die wir beide erzählen können, hat etwas tragisches. Aber wer will schon die Geschichten von ein paar Opas hören? Wir leben in einer Gegend, in der die Tragödien nicht aufgeschrieben werden und die Menschen sich keine Ereignisse überliefern.

Manchmal, an langen Winterabenden, hole ich die Bilder hervor. Dann sehe ich alles so, wie es früher einmal gewesen ist - und nie mehr werden kann. Es schmerzt manchmal. Doch ich bin nicht traurig, denn neues ist an diese Stelle getreten. Vielleicht ist dies der Weg, um Trauriges zu überstehen. Ich will ich dafür, das es neues gibt, noch lange sorgen.